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Gasmangellage und Frühwarnstufe des Notfallplans Gas - FAQ

Drei blaue Gasflammen auf einem silbernen Gasherd - Nahaufnahme

Update zu unserem Blogartikel vom 31.3.2022

Die Bundesregierung hat am 30. März 2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Damit reagiert sie auf eine mögliche Gasmangellage in Folge verminderter oder ausbleibender Gaslieferungen aus Russland. Als Gasverteilnetzbetreiber möchten wir zu den wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang informieren. 

 

Was passiert bei einer Gasmangellage im Netz? 

Bei nachlassender Gaszufuhr ergreift der vorgelagerte Fernleitungsnetzbetreiber (ONTRAS) zunächst sogenannte marktbasierte Maßnahmen. Dies ist in §16 EnWG geregelt. Hierzu kann der Fernleitungsnetzbetreiber u. a. Gas aus Erdgasspeichern ausspeichern sowie das Netz gezielt steuern, um die Versorgungssituation zu stabilisieren.

Sofern diese Maßnahmen im vorgelagerten Netz nicht ausreichen, informiert der Fernleitungsnetzbetreiber die nachgelagerten Verteilnetzbetreiber (MITNETZ GAS) über die Gasmangellage. Gleichzeitig fordert der Fernleitungsnetzbetreiber die nachgelagerten Verteilnetzbetreiber gemäß § 16 Abs. 2 EnWG auf, das Reduktions- und Abschaltpotential nichtgeschützter Kunden im Verteilnetz zu ermitteln und an den Fernleitungsnetzbetreiber zu melden. 

MITNETZ GAS hat entsprechend der gesetzlichen Vorgaben die Vorgehensweise im Fall einer Gasmangellage vorbereitet. und u. a. die Schutzwürdigkeit nach § 53 a EnWG bei unseren Industriekunden abgefragt. 

 

Welche Verbraucher sind von den Abschaltungen betroffen?  

Es existiert laut EnWG eine Priorisierung von möglichen Abschaltungen. Nichtgeschützte Kunden wie große Industriebetriebe (gemäß Regelungen im Netzanschlussvertrag), werden vorab informiert und zur Reduzierung des Gasbezuges aufgefordert. Gemäß § 53 EnWG sind Haushaltskunden und grundlegende soziale Dienste sowie Fernwärmeanlagen als geschützte Kunden anzusehen und von einer Reduktion oder Abschaltung bei Gasmangellage auszunehmen.

 

Die Bundesregierung hat am 30.3.22 die Frühwarnstufe ausgerufen. Was bedeutet das?  

Die Ausrufung der Frühwarnstufe als erste von drei Eskalationsstufen ist eine Vorsorgemaßnahme. Die Gasversorgung verläuft derzeit ohne Einschränkungen.  

Per Gesetz (Erdgas-Versorgungs-Sicherheitsverordnung SoS-VO) sind bei einer möglichen Gasmangellage drei Stufen festgelegt:  

  1. Bei der Frühwarnstufe „Frühwarnung“ liegen ernstzunehmende und zuverlässige Hinweise vor, dass eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgungslage eintreten kann.  
  2. Bei der Alarmstufe „Alarm“ tritt eine Störung oder außergewöhnlich hohe Nachfrage auf, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. Diese ist noch mit marktbasierten Maßnahmen zu bewältigen. 
  3. Die Notfallstufe „Notfall“ greift für den Fall, dass die marktbasierten Instrumente angewendet wurden, aber die Gasversorgung nicht ausreicht, um die noch verbleibende Gasnachfrage zu decken. Zusätzlich müssen nicht marktbasierte Maßnahmen ergriffen werden, um insbesondere die Gasversorgung der geschützten Kunden zu gewährleisten.

 

Welche Maßnahmen hat MITNETZ GAS ergriffen?  

Die rein vorsorglich ausgerufene Frühwarnstufe bleibt bis auf Weiteres aktiviert. Die Gasversorgung in Deutschland und auch im Netzgebiet von MITNETZ GAS ist derzeit uneingeschränkt gewährleistet. MITNETZ GAS als nachgelagerter Netzbetreiber steht mit dem Fernleitungsnetzbetreiber ONTRAS in ständigem Austausch.  

MITNETZ GAS hat umgehend nach Ausrufung der Frühwarnstufe die aktuelle Lastsituation im eigenen Netz und darauf basierend mögliche Abschaltpotentiale von nicht-geschützten Kunden vorgenommen und an den Fernleitungsnetzbetreiber gemeldet. Diese Meldung wird ständig aktualisiert.

 

Was passiert bei weiterer Zuspitzung der Krise bis hin zum Ausbleiben der Gasflüsse aus Russland? 

Es liegt in der Verantwortung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), die weiteren Krisenstufen auszurufen. Behördliche Eingriffe in die Lastflüsse erfolgen erst in der dritten Stufe (Notfallstufe) durch den Bundeslastverteiler (BNetzA). Diese wären durch die Gasnetzbetreiber umzusetzen.  

Derzeit gibt es keine verminderten Gasimporte, auch sind uns keine technischen Anzeichen zu Druckschwankungen an unseren Übergabepunkten zum vorgelagerten Netz bekannt. Die Lage wird jedoch von allen Netzbetreibern intensiv beobachtet. Aus heutiger Sicht würden auch bei Ausbleiben der russischen Gaslieferungen die Speicherkapazitäten im Marktgebiet ausreichen, um die Versorgung bis zum Ende der Heizperiode und darüber hinaus zu sichern. Für das kommende Jahr liegen uns derzeit noch keine belastbaren Informationen vor. 

 

Welche Auswirkungen hätte ein Ausfall von North Stream 1?  

Deutschland verfügt derzeit über vorhandene Speicherkapazitäten, die einen normalen Füllstand aufzeigen. Auch bei einem Stopp der Gasimporte aus Russland über North Stream 1 ist von ausreichenden Gaskapazitäten für die aktuelle Heizperiode auszugehen. Eine Gasmangellage ist für diesen Winter daher nicht wahrscheinlich. Für das kommende Jahr bemühen sich die Speicherbetreiber um die Erhöhung der Füllstände.  

 

Wie steht MITNETZ GAS zum geplanten Gasspeichergesetz, das zum 1.5.2022 in Kraft treten soll?  

Wir werden mit Inkrafttreten des Gesetzes die Auswirkungen auf MITNETZ GAS bewerten und daraus Handlungen ableiten. 

Weiterführende Informationen unter: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/aktuelle_gasversorgung/start